Montag, 23. Februar 2015

Abschied von Sao Sebastiao und Sao Paulo

Der letzte Tag war gekommen und wir haben noch einmal die schönen Ausblicke aufgesogen! Da das Wetter sich etwas uneindeutig zeigte, waren wir am Hotelpool und haben uns einfach nur mal die Ruhe angetan!
Unser Transfer kam dann Samstag um 10:00 überpünktlich und nach weiteren vier Stunden waren wir in Sao Paulo angekommen. Der erste Eindruck war: Dreckig, voll und unübersichtlich....Dagegen ließ sich unser Hotel auf der Avenida Paulista sehr gut an. Helles Zimmer, nettes und sehr aufmerksames Personal und ein Champagner zur Begrüßung.
Ausblick

Treppenhaus von oben.....

....und von unten
Um die Zeit etwas auszunutzen haben wir gleich die Hufe geschwungen und sind mit der Metro in Richtung Altstadt gefahren. Da ich nicht genau wußte, wohin, peilten wir den Mercado Municipal an, nach den guten Erfahrungen in Santiago dachte ich, es sei nett, hier zu essen. Leider war dieser Ausflug ein ziemliche Herausforderung. Die Straßen proppenvoll und unübersichtlich und als wir über eine Fußgängerbrücke liefen, wurden wir sofort vor Überfällen gewarnt - es ging in die Richtung: Cracklandia....ein Bezirk in Sao Paulo, wo trotz langjähriger Sanierungsversuche, die Drogenmafia ihren Sitz zu haben scheint. Also waren wir schon etwas verunsichert...
Es rockt

Im Mercado Municipal



Samstags in Sao Paulo...

Kleines Aufatmen im Café

Santo Bento

Hier wird auch am Wochenende gearbeitet




Die Fußgängerbrücke zum Cracklandia/ Luz
Konrad war nach nach diesem Ausflug vollkommen erschlagen, aber ich war auch kaputt : Es gibt viel mehr sichtbares Elend auf den Straßen, als in Rio. Wir haben Drogenopfer orientierungslos umherschleichen sehen, Obdachlose, die einfach auf dem Bürgersteig liegen , sich eine Tüte übers Gesicht legen und sich den ganzen Tag nicht von der Stelle rühren - wie direkt bei unserem Hotel ...
Abends wagten wir dann noch einen Spaziergang zu einem einfachen, von unserem Reiseführer empfohlenen Restaurant mit amazonisch angehauchter Speisekarte. Das war eine sehr gute Entscheidung - der Weg dahin zwar auch wieder spannend und eben im Dunkeln, aber das Essen war super, das Bier kühl und die Preise ausgesprochen moderat!
Konrad freut sich übers gute Essen!

Im Amazonias-einfach mit Atmosphäre

Nachtlager mitten in der Stadt

Neulich nachts in Sao Paulo- Av. Paulista
Das Frühstücksbuffet bestätigte nun auf eindrucksvolle Weise den rundum positiven Eindruck, den wir von unserem Hotel hatten. So vielfältig haben wir auf keiner Station gefrühstückt!
Da wir Sonntag erst einen sehr späten Flug hatten, haben wir unser Hotelzimmer noch behalten und ich dachte, nach dem Stadtschock sollten wir den Tag mal mehr im Grünen verbringen. Wir ließen uns mit dem Taxi in den Zoo fahren, der angeblich der 5.größte der Welt sein soll. Leider war diese Idee nicht wirklich genial, zumal Tausende von Paulistas den gleichen Einfall gehabt hatten und auch alle den Sonntag im Zoo verbringen wollten.
Dazu kam, dass wir von Hannover her ja inzwischen eine Tierunterbringung gewöhnt sind, die den Tieren eine einigermaßen artgerechte Haltung gewährt. Davon ist man hier weit entfernt. Obwohl der Zoo mit schöner, dschungelartiger Natur durchzogen ist, herrschen hier noch immer die Tierknäste vor und sie konnten einem z.T. ganz schön Leid tun. Lediglich die Affen hatten es teilweise etwas besser....
Vom Aussterben bedroht...aber mit schwerem Hospitalismus...

Einmal die Flügel ausbreiten können.....

Dieser Hengst war komplett von der Rolle

Die Geier warten auf die Reste


Auf diesen Inselchen hatten die Affen zumindest etwas Bewegungsfreiheit 
Abends kam dann der Transfer und nachdem wir auch noch einen Abschiedschampagner spendiert bekommen hatten, ging zum Flughafen.
Der Flug war trotz einiger Turbulenzen wunderbar, ich habe zwei Filme angeguckt, die ich im Kino verpasst hatte und als wir heute morgen im regnerisch, verschneiten Frankfurt landeten, freuten wir uns schon auf zu Hause....
Leider gab es jetzt noch eine dicke Flugpanne - zig Flüge wegen Schlechtwetters gekancelt und nun haben wir die Hoffnung mit 4 studiere Verspätung heute noch zu Hause anzukommen! 
Die Hoffnung stirbt zuletzt!!



Montag, 16. Februar 2015

Sao Sebastiao . Ilha Toque Toque Grande

Die Tage in Paraty sind schnell vergangen, am Sonntag holte uns dann der nächste Fahrer vom Hotel ab, um uns nach Sao Sebastiao zu bringen. Es ist Karneval und der Fahrer wollte wohl möglichst schnell wieder zu seinen Lieben kommen und hatte einen Fahrstil, der einem das Unterste zuoberst kehrte - immer dicht auf die Stoßstange auffahren, heftig beschleunigen und genauso wieder bremsen, mit Vollgas in die Kurven u.s.w. Konrad hatte die Suppe sehr schnell auf und ich spätestens zu dem Zeitpunkt, als ich mir nach einer Pinkelpause den mitgebrachten Milchkaffee komplett über mich gegossen hatte....
Nun waren die Straßen beileibe nicht frei, es war ein wahnsinniger Verkehr und in den Orten ging es nur im Schritttempo voran. Nach vier Stunden - gegen 14:00 Uhr waren wir fix und foxi, aber heil angekommen und freuten uns auf eine schöne Siesta in unserem Zimmer. Das war dann erstmal wohl nix! Als ich nachfragte, warum wir nach umständlichen Anmelderitualen noch immer in der Rezeption herumstanden, wurde uns mitgeteilt, dass das Zimmer erst ab 16:00 zur Verfügung steht- das sei der Reiseagentur auch bekannt gewesen und man sei erstaunt, uns jetzt schon zu sehen.
Mein Gesichtsausdruck muss wohl Bände gesprochen haben...ich solle mich bei der Agentur beschweren, man selbst hätte damit nicht zu schaffen.
Nach einer weiteren Viertelstunde auf dem Sofa, erbarmte sich dann ein Mitarbeiter und bot uns einen Drink an. Wir dankten und bestellten Caipirinha....Und nach einer Weile wurde uns dann, mit dem Hinweis: " Der geht aufs Haus " ein Glas mit 2 Strohhalmen vorgesetzt....Soviel dazu!


Unser Blick vom Balkon
Hängematte - leider noch feucht
Unser Zimmer entpuppte sich dann allerdings als der Knaller: 1 großer Wohn-Essraum, Schlafzimmer, Arbeitszimmer und Bad. Dazu : Ein Whirlpoolbadewanne auf dem Balkon und eine kleine Sauna...Also eine richtige Wohnung! Und noch dazu zu der einen Seite keinen Nachbarn, so dass ich endlich mal ohne Dämpfer Geige üben kann..
Am Hotelstrand
Leider hat sich das heiße, trockene Wetter verflüchtigt und der - von den Brasilianern ersehnte - Regen hat eingesetzt. Mittags sah es gut aus und wir sind einen steilen Treppenweg zum Strand gelaufen, wo das Hotel einen eigenen kleinen Strandabschnitt hat. Nach 1,5 Stunden war die Freude aber vorbei - der Tropenregen setzte ein und jetzt - 4 Stunden später, ist kein Ende abzusehen. Es gewittert und der Regen prasselt...

...sind die Tropfen zu sehen?

Beim Abendbrot
 Zum Glück hat das Hotel ein eigenes Restaurant - wo wir auch frühstücken - und hat eine schöne Fischkarte. Gestern haben wir es uns schon gut schmecken lassen und wenn wir gleich beide unter den Schirm passen, freue ich mich schon auf die Magenbefüllung!

Der saß direkt vor unserem Balkon auf dem Baum - ein Truthahngeier?!
Unser "Vorgarten" scheint ein Tummelplatz für Vögel zu sein! Heute habe ich sogar mehrfach Kolibris gesehen, die sich auf ein Ästchen setzten und immer wieder vor den Palmen in der Luft standen.




Wir waren heute an einem anderen Strand, was sich als gute Wahl herausstellte! In knappen 20 Minuten zu erreichen ist es ein wunderschöner Fleck, der nur zu Fußerreicht werden kann und außerdem -rein theoretisch allerdings -nur für Menschen und nicht für Hunde offen ist.( Gestern ist Konrad nämlich am Strand in einen fetten Hundehaufen getreten....)
Wir verbrachten ca. zwei Stunden dort, bis ich das Gefühl bekam, dass der nachmittägliche Dauerregen im Anmarsch war. Und 5 Minuten, nachdem wir wieder in unserer Suite waren, ging es schon los!



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Ein knallroter Unbekannter...





Kaum zu glauben, dass es jetzt schon seit 7 Stunden ununterbrochen regnet .... Und wir haben heute mal unsere private Badewanne mit Whirlpool getestet, die draußen auf dem Balkon eingebaut ist. Sehr sehr schön. wird ab sofort in den Tagesablauf eingebaut!
Das ist mal ein Blick beim Baden!

...da freut sich schon einer!

Nach 4 Tagen eher regnerischen Wetters, zeigte sich heute der Himmel von seiner blauen Seite! Für uns ein schöner Anlass wieder zu dem netten Strand zu laufen, den wir schon vorgestern besucht hatten. Es war wenig los - Karneval ist nun endgültig vorbei - und wir konnten unser Tuch im Schatten ausbreiten! Es mutet hier wirklich paradiesisch an, die beiden gegenüberliegenden Meeresbuchten und - wie ich heute festgestellt habe - ein wunderschöner Bach, der in einem kleinen Wasserfall am Strand endet und sehr gut als Süßwasserdusche fungiert!

Dieser Baum wechselt mehrfach die Farbe, wunderschön! 

Zum Glück gibt es die E-Zeitung...


Hier sind beide Meeresbuchten zu sehen




Freitag, 13. Februar 2015

Paraty

Unsere Reise neigt sich mit Riesenschritten dem Ende zu....nach einer 4-stündigen Autofahrt an der Costa Verde entlang sind wir nun in Paraty gelandet, in der Pousada Literaria.
Paraty hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Bei der 2. Expedition der Portugiesen im Jahre 1503 landeten sie an diesem schönen Küstenstreifen. Die große Bucht vor Schutz vor Piraten und es dauerte nicht lange, dass ein portugiesisches Fort errichtet wurde. Anfangs lebte man in Kooperation mit den Guarani Indios, aber nachdem die Portugiesen anfingen, Sklaven aus Afrika zu importieren, war es mit der Gutwilligkeit vorbei und die Indios führten einen erbitterten, aber zum Scheitern verurteilten Kampf gegen die Eindringlinge. Die erste Blüte erreichte Party mit Zuckerrohr und Holz, dem hochwertigen, roten(brazil) Holz der Urwaldbäume. Portugiesische Familien errichteten 1-stöckige Häuser mit großen Lagerkapazitäten, in denen sie auch schliefen. Die Indios fanden Verbündete in französischen Piraten, die von der See her eine ständige Bedrohung darstellten.


Mit den Symbolen der Freimaurer
Die Portugiesen wollten aber mehr - weiter im Inland wurden Gold und Diamanten vermutet und auch gefunden. Der darauffolgenden Goldrausch machte Party zu einem wichtigen Zentrum der Handelsbeziehungen mit Europa. Die reichgewordenen Abenteurer gingen zurück und Verwandte kamen neu an, um auf den Erfolgszug aufzuspringen...Das ging solange gut, bis die Gold und Diamantvorräte zu schrumpfen begannen und ein Exodus folgte. Die Familien, die sich die Rückkehr nicht leisten konnten, blieben und begannen in der Nähe der Minen etwas neues anzubauen: Kaffee und Tabak - damit wurde der zweite Hype um Paraty ausgelöst.
Die einstöckigen Häuser boten nicht mehr genug Platz für Waren und Menschen und so wurden sie nach und nach aufgestockt. Als Baumeister boten sich Freimaurer aus Europa an, die - verfolgt von der  katholischen Kirche -in der neuen Welt Fuß fassen wollten.
Noch heute gibt es Freimaurer in Paraty.

Karneval in Paraty

Die Kirche der Frauen und der Armen

Karneval

Auf dem Balkon des Kulturzentrums

Abendstimmung

Nachdem dann aber eine Bahnlinie gebaut wurde, die quasi von Rio bis nach nach Sao Paolo reichte, wurde die Bedeutung Paratys als Verschiffungshafen beendet und das Städtchen versank in einen Dornröschenschlaf.
Aus diesem Schlaf wurde Paraty durch ein Phänomen unserer Zeit geweckt: Es wurde 1979 Drehort für eine der zahlreichen Telenovelas, die in Brasilien  eine besondere Bedeutung haben. Plötzlich war es wieder "in" hier zu leben und viele Bewohner nutzten das, um ihre Häuser an hippe Leute zu verkaufen. Das Geld, was sie bekamen war aber schnell weg und erst als sich ein Institut zur Bewahrung der Kultur und Umwelt hier installierte, begannen die Einwohner, ihr Schicksal wieder selbst in die Hände zu nehmen.
Auf zu neuen Ufern
Party liegt in einer ausgedehnten Meeresbucht, die von kleinen Inselchen übersät ist. Es gibt kaum Wellengang und bietet sich daher gut zum Kajakfahren an. Unser Guide Christiano lieh uns sein privates - und hat sich damit ein paar Real nebenbei verdient!
....
 So schlimm, wie es das Bild oben suggeriert, war es nicht. Wir sind gemütlich gepaddelt bis in die nächste Bucht und haben uns im warmen Meer vergnügt!
Unser Kajak

Hier hat sich auf dieser kleinen Insel jemand sein privates Paradies gebaut


Bis zum Mittag waren wir unterwegs, danach hatten wir uns eine ausgiebige Siesta verdient. Natürlich erst nach dem obligatorischen Caipi....:-)
Am frühen Abend wagten wir uns dann wieder raus und entdeckten ein sehr preiswertes Fischrestaurant, wo wir beide mit Bier, Caipi und vollem Bauch für knapp 30 Euro fündig wurden!

Spielzeugladen

Konrad mit dem sehr netten brasilianischen Jonny Depp