Mittwoch, 11. Februar 2015

In der Favela Cidade de Deus

Wer den Film:"City of God " gesehen hat, weiß, wovon ich berichten werde. In Rio gibt es bei ca. 6 Mio. Einwohnern ca. 1 Mio. Menschen, die in sogenannten Favelas - übrigens der Name einer Pflanze - leben. Illegal errichtete Siedlungen, über die ganze Stadt verteilt. Mit zunächst einfachsten Baumaterialien, inzwischen aber aus Beton und Steinen erbaut - ohne Architekten, Statiker o.ä. Die Rechtslage sagt, dass wenn man seit mindestens 7 Jahren in so einem illegal gebauten Haus lebt, die Legalisierung nachträglich erfolgt. Mit der mehr oder weniger stillschweigenden Duldung der Favelas drückt sich die Regierung bzw. die Stadtverwaltung vor der eigenen Verantwortung, Wohnraum für den wachsenden Strom von Menschen zu schaffen.
In den Favelas blühte und blüht vielleicht immer noch der Drogenhandel und es gibt rivalisierende Banden, die sich blutige Kriege liefern. Der o.g. Film erzählt so eine Geschichte aus der Favela, die wir besucht haben. Die Stadtverwaltung hat in den letzten Jahren gewaltige Anstrengungen zur s.g. Pazifizierung unternommen, die auch einige Erfolge zu verzeichnen hat.
In der City of God sind jedenfalls die Schusswechsel seltener geworden und ein soziales Projekt für Kinder und alte Menschen ist nun schon einige Jahre dort erfolgreich tätig!
In so einer Straße liegt das Projekthaus

Das Einschussloch ist original
Mit dem Geld einer holländischen Stiftung ist hier ein Haus entstanden, in dem alte Menschen tagsüber betreut werden - mit gemeinsamen Aktivitäten, Gesundheitsvorsorge, Krankengymnastisch und außerdem wird gekocht, so dass alle Menschen, die hierher kommen auch essen können.
Dieser 78 jährige hat 40 Jahre Obstkisten geschleppt...

Die beiden haben sich hier im Haus kennengelernt und sind nun unzertrennlich
Es gibt eine Krankenschwester, die die vielen offenen Beine verbindet und Wundpflege betreibt, mehrere Heilerinnen, die von einem philippinischen Heiler finanziert werden und z.B mit Edelsteinen
behandeln. Die Schwester unseres Guides Rodrigo, Dagmar ist Krankengymnastin und seine Mutter Sozialarbeiterin.


Rodrigo zeigt den Ballet und Turnsaal, in dem geturnt werden kann und ca. 100 Kinder aus der Favela regelmässig Unterricht haben

Dies ist das 2.Haus der Einrichtung, was gerade saniert wird
Begonnen haben sie mit Hilfe einer holländischen Stiftung, daher sprach Rodrigo nicht nur Englisch und Deutsch, sondern auch noch Holländisch! Inzwischen finanziert sich das Projekt zu 70% über einen brasilianischen Buchverlag, der Rest durch ehrenamtliche Arbeit und private Spenden. Durch die Sanierung des Gebäudes, wo normalerweise die Gesundheitsvorsorge beheimatet ist, war der Traum jetzt relativ eng für die unterschiedlichen Aktivitäten.
Die Befriedung der Favelas wird auch mit Hilfe einer Müllabfuhr gewährleistet, die nun regelmäßig den Abfall entsorgt. Wo früher riesige Müllberge lagen, stehen heute orangefarbene Behälter, die auch gut angenommen werden. Der Fluß hier ist trotzdem eine Kloake, in den die Abwässer völlig ungeklärt fließen.


Auf beiden Seiten des Flusses regieren verfeindete Gangs
Die Kinder gehen in eine der vier Schulen, die es in der Favela gibt. Die Lehrer kommen allerdings von außen.
Sie wollten gern auf Facebook gepostet werden!
Rodrigo fuhr mit offenen Seitenfenstern in die Favela - er meinte, dass sei wichtig, da sein Auto getönte Scheiben habe, und es sei gefährlich, unerkannt hier durchfahren zu wollen!


Ein Stand mit Motorradtaxis - Anwohner können sich zur nächsten Haltestelle bringen lassen

Und plötzlich kommt einem ein  herrenloses Pferd entgegen

Es gibt Strom!

Ihr Sohn sucht gerade als Fußballer einen neuen Verein - sie hat sich nach dem 3.Überfall auf ihr Kiosk vergittert










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